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Co-Founderin Kathrin Schürmann über caralegal

Nach unserem Interview mit CEO Björn Möller sprechen wir heute mit einer der Co-Gründerinnen von caralegal: Kathrin Schürmann. Kathrin ist Juristin und Unternehmerin und hat es sich zur Mission gemacht hat, Probleme zu lösen und die beste Umgebung für innovative, datenschutzkonforme Arbeit zu schaffen.

11. Oktober 2022
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Wir erreichen Kathrin in ihrer zweiten Wahlheimat Südafrika. Ihr freudiges Gemüt bewahrt sie sich bei unserem Gespräch mit einem warmen Pullover und einer Tasse Tee. Denn während in Berlin die Sonne lacht, prasselt bei Kathrin der Regen des südafrikanischen Winters nieder.

Kathrin, danke, dass du dir die Zeit genommen hast, etwas über dich als Gründerin und über die Entstehung von caralegal zu erzählen. Fangen wir gleich mal mit deiner Person an: Was sollte man unbedingt über dich wissen?

Kathrin Schürmann: Das ist eine schwierige Frage, auf die es viele Antworten gibt [lacht]. Über meine Persönlichkeit muss man wissen, dass ich für die Themen, mit denen ich mich beschäftige, ein äußerst leidenschaftlicher Mensch bin. Ich arbeite einerseits sehr strukturiert und genau, andererseits verfüge ich über viel Innovationskraft und möchte Themen aktiv aufbauen und voranbringen. Dabei ist es mir wichtig, meine Arbeit sehr gut zu machen, um nicht „perfekt“ zu sagen. Diese Einstellung treibt mich an und hat auch die Entwicklung von caralegal geprägt: Ich wollte, dass wir ein sehr gutes Produkt schaffen, das den Need am Markt erfüllt.

Zu meinem Background möchte ich noch sagen: Ich komme aus dem kleinen Dorf Steinhagen in Ostwestfalen. Aufgrund der Nähe zu Bielefeld habe ich den Satz „Bielefeld gibt es nicht.“ in meinem Leben schon tausendmal gehört. Mit der Stadt verbinde ich vor allem die Kindheitserinnerung an den Vanilleduft aus der Dr.-Oetker-Fabrik, den ich bei jeder Fahrt in die Stadt gerochen habe. Steinhagen selbst ist vor allem für den „Steinhäger“ bekannt. Das ist ein klarer Wacholderschnaps, den ich früher gar nicht gemocht habe. Mittlerweile liegen solche Drinks aber voll im Trend und auch ich habe ihn als gelegentliches Back-to-the-Roots-Getränk wieder für mich entdeckt. Zum Jura-Studium bin ich zunächst in der Gegend geblieben und habe mich in Bielefeld eingeschrieben. Wenn es die Stadt also nicht gäbe, wäre das sehr ärgerlich, weil ich dann keinen Abschluss hätte [lacht].

Nach meinem ersten Staatsexamen habe ich in München bereits im Jahr 2002 für ein Internet-Start-up gearbeitet. Da konnte ich unglaublich viel von diesem spannenden Start-up-Spirit mitnehmen. Ich habe auch während des Studiums stets gearbeitet und viele unterschiedliche Dinge gemacht. Das gebe ich Schüler:innen, Student:innen und meinen jungen Kolleg:innen auch als Rat mit auf den Weg, denn dabei lernt man unglaublich viel fürs Leben.

Nun bist du mit deiner Kanzlei Schürmann Rosenthal Dreyer (SRD) und caralegal in Berlin ansässig. Wie hat es dich hierher verschlagen?

Kathrin Schürmann: Ich bin nach Berlin gezogen, um mein Zweites Staatsexamen zu machen. Danach habe ich zunächst in einer Großkanzlei gearbeitet. Es hat sich aber schnell gezeigt, dass das gar nicht meine Sache war. Stattdessen habe ich mich mit meiner ehemaligen Mitschülerin und Kommilitonin Simone Rosenthal dazu entschieden, die Kanzlei SRD zu gründen. Wir haben die Vision verfolgt, es sowohl intern als auch extern ganz anders zu machen. Wir wollten in einem Team arbeiten, in dem man Freude an dem hat, was man tut. Und es ging uns darum, keine Einzelkämpfer:innen in einer Ellbogengesellschaft zu sein, sondern im Team die besten Ergebnisse für unsere Mandant:innen zu liefern. Denn darum geht es immer: lösungsorientiert zu arbeiten.

Was bedeutet lösungsorientiertes Arbeiten für dich in der Praxis?

Kathrin Schürmann: Es bringt den Mandant:innen meiner Kanzlei beispielsweise nichts, wenn ich ihnen ein Gutachten über 200 Seiten schreibe, das Fazit aber lautet: „So sehen wir das rechtlich, aber es gibt noch unglaublich viele Risiken, also entscheiden Sie.“ Unsere Idee war von Anfang an, viel operativer zu sein, lösungsorientiert zu denken und Prozesse zu verbessern. Dieser Ansatz macht mich persönlich aus und den habe ich auch stets in meiner Arbeit in die Unternehmen getragen.

Deine Kanzlei Schürmann Rosenthal Dreyer ist mittlerweile 14 Jahre alt und vor allem im Datenschutzrecht äußerst renommiert. Wie kam es zu dieser Spezialisierung?

Kathrin Schürmann: Wir sind als zwei Frauen mit nichts als einer Idee von einer Kanzlei, einem Schild an der Straße und einer selbst gebauten Website gestartet. Wir haben hart daran gearbeitet, uns einen Namen und eine Brand aufzubauen und zu vermitteln, wofür wir stehen. Schon in unserer Anfangsphase haben wir eng mit Unternehmen aus der Start-up-Szene in Berlin zusammengearbeitet. Und die haben uns immer wieder gefragt: „Macht ihr auch Datenschutz?“ Dann haben wir uns intensiver mit dem Thema beschäftigt und den sich anbahnenden Trend gesehen, dass Unternehmen immer mehr mit Daten arbeiten. Wir wollten diesen spannenden Wachstumsmarkt nutzen, um uns einen Namen zu machen und uns auch gegen etablierte Kanzleien durchzusetzen.

Über die folgenden Jahre sind wir dann zusammen mit dem Thema Datenschutz immer weiter gewachsen und haben auch bezüglich neuer Technologie immer mehr Kompetenzen aufgebaut. Mittlerweile machen wir vor allem Datenschutz und IT-Vertragsrecht mit einem Fokus auf neue Technologien, zum Beispiel beraten wir aktuell zu vielen KI-, Blockchain- und anderen Digitalisierungsthemen in den unterschiedlichsten Branchen. Wir haben zudem einen starken Schwerpunkt auf den Gesundheitsbereich gelegt und zum Beispiel die Corona-Warnapp rechtlich betreut. Die Digitalisierung des Gesundheitsbereichs ist ein superspannendes Thema. Unsere stetige Spezialisierung gipfelte dann 2020 mit den Auszeichnungen als JUVE-Kanzlei des Jahres für Technologie und Medien sowie für Datenschutz und IT.

Du hast eingangs gesagt, dass du für deine Themen brennst. Was genau fasziniert dich als Expertin denn am Thema Datenschutz?

Kathrin Schürmann: Ich finde die Digitalisierung in Unternehmen generell sehr spannend und dazu gehören immer Daten. Wir wollen, dass Unternehmen ihre Ideen in einem rechtlich sicheren Rahmen umsetzen können. Dazu gehört es, sehr kreativ zu sein und über Grenzen hinweg und auch als Juristin out of the box zu denken. Auch wenn es gewisse rechtliche Normen gibt, ist Datenschutz doch ein sehr junges Rechtsgebiet ohne Unmengen an Fachliteratur und Rechtsprechung, in dem man noch sehr gestaltend arbeiten kann. Gerade wenn es um neue Technologien geht, muss man sich sehr tief einarbeiten und die Produkte genau verstehen. Diese Arbeit in Lösungen einzubringen und zu sehen, wie diese dann funktionieren und wachsen, ist für mich so faszinierend an der Arbeit im Datenschutz.

Du bist ja nicht nur mit der Kanzlei im Bereich Datenschutz etabliert, sondern auch mit eigenen Unternehmen. Wie kam das zustande?

Kathrin Schürmann: Vor 12 Jahren haben wir zunächst unser Tochterunternehmen ISiCO Datenschutz GmbH gegründet. Damit stellen wir externe Datenschutzbeauftragte und führen Audits und Schulungen durch. Die Auslagerung war notwendig, weil Datenschutz offiziell nicht unter Rechtsberatung fällt. Mit der ISiCO sind wir in der Berliner Start-up-Szene gestartet, konnten viel von diesem Spirit mitnehmen und sind schnell stark gewachsen. Aus dieser Beratung und aus der Kanzlei heraus haben wir dann zunächst mit lawpilots unsere eigene E-Learning-Plattform und später caralegal gegründet.

Ihr hattet also bereits ein großes Angebot in der Datenschutzberatung. Wie kam es dann konkret zur caralegal-Gründung?

Kathrin Schürmann: Die Idee ist aus unserer Arbeit und unseren Erfahrungen heraus entstanden. Gerade über die ISiCO haben wir viele Beratungsmandate im Datenschutz, wo wir entweder externe Datenschutzbeauftragte (DSBs) sind oder die internen DSBs beraten. Insbesondere im Zuge der Einführung der DSGVO 2018 wurden wir häufig gefragt, wie ein Datenschutzmanagementsystem (DSMS) aussehen sollte. Außerdem haben wir in der Zusammenarbeit mit Kund:innen viele Tools kennengelernt und gesehen, wo diese zum Teil noch Schwächen hatten. Was wir am Markt gesehen haben, waren im Grunde genommen mehr oder weniger einfache Ablagesysteme ohne viele Hilfestellungen. Bei caralegal geben wir unsere gesamte Erfahrung in das Tool, weil wir erkennen, wo es in der Praxis Verknüpfungen, Automatisierungen und Übersichtlichkeit braucht. Das unterscheidet uns auch von anderen Produkten auf dem Markt: Wir haben den praktischen Need von Berater:innen und Unternehmen erkannt und daraufhin unsere Software entwickelt.

Viele Angebote auf dem Markt sind außerdem echte Expert:innenprogramme, wir hingegen wollen auch diejenigen mit ins Boot holen, die nicht jeden Tag mit dem Thema arbeiten, um die Arbeitslast besser zu verteilen und Awareness im Unternehmen zu fördern. Wir wollten eine Datenschutzmanagement-Plattform bauen, die quasi als virtuelle Assistenz fungiert. Und so ist dann caralegal entstanden. Das „cara“ im Namen stammt eigentlich von der Raubkatze Caracal (aufgrund meiner Verbindung zu Südafrika und weil ihr Charakter (Agilität und Anpassungsfähigkeit) sehr gut zu dem Tool passt), aber caralegal ist auch ein Wortspiel auf Paralegal, also Rechtsassistent:in. Eine solche virtuelle Rechtsassistenz kann Arbeitsprozesse vereinfachen, rechtssicher machen und beschleunigen.

Du hast bereits angesprochen, dass dir der Teamgedanke bei der Arbeit sehr wichtig ist. Wie zeigt sich das denn in konkreten Arbeitsprozessen?

Kathrin Schürmann: Teamwork spielt insbesondere bei der Konzeption neuer Lösungen eine große Rolle. Wenn wir ein neues Tool entwickeln, wie unsere KI-basierte AVV-Software, kommt das gesamte Team mit allen Kolleg:innen zusammen. So fließen das gesammelte Know-how und die Erfahrung der Berater:innen in das Produkt ein. Unsere Mitarbeiter:innen haben alle viel Spaß an der Arbeit mit Datenschutz, und das merkt man gerade in solchen Situationen.

Auch im Team läuft es natürlich nicht wie von selbst, ein Unternehmen wie caralegal aufzubauen und derart innovative Produkte zu entwickeln. Was waren für dich die größten Herausforderungen und Erfolge mit caralegal?

Kathrin Schürmann: Die größte Herausforderung bei der Gründung von caralegal war, das richtige Entwickler:innenteam zu finden. Schließlich sind Simone und ich in erster Linie Juristinnen. Da hat Björn [Möller] eine wichtige Rolle gespielt, der das Team weiter aufgebaut und uns stark vorangebracht hat.

Der erste Milestone oder Erfolg ist natürlich die erste Kundschaft. Es hat sich richtig gut angefühlt, schon in der Beta-Phase Menschen für unser Produkt zu begeistern. Dabei war unsere Software bei Weitem nicht das, was caralegal heute ist und leisten kann. Unsere Kund:innen hatten von Anfang an Spaß an unserem Produkt und wollten auch dabei helfen, es weiterzuentwickeln. Es war eine große Bestätigung, bei unseren ersten Babysteps zu sehen, dass uns zwar noch einiges fehlt, wir aber genau in die richtige Richtung gehen. Und nun kann ich stolz sagen, dass wir nur ein halbes Jahr nach unserem Launch Anfang 2022 bereits über 100 Kund:innen haben.

Einer meiner persönlich schönsten Momente war auf einer Datenschutz-Konferenz, als mich ein Kollege angesprochen und caralegal sowie unsere Produkte begeistert gelobt hat. Zu hören, dass unsere Lösungen genau das sind, was in der Praxis gebraucht wird, hat mir vor Augen geführt, dass wir mit all der harten Arbeit auf dem richtigen Weg sind. Solche Momente machen mir auch Mut, unsere zahlreichen Ideen in den nächsten Jahren weiterzuverfolgen und caralegal weiterzuentwickeln.

Erzähl uns doch abschließend, was deine Vision ist und worauf wir uns in den kommenden Jahren freuen können.

Kathrin Schürmann: Es wird auf jeden Fall noch einiges mehr kommen. Simone und ich sind auch deshalb ein so gutes Team, weil wir beide die gleiche Leidenschaft dafür haben, Dinge zu schaffen und neu aufzubauen. Erstmal wollen wir caralegal weiter ausbauen und zur führenden Plattform im Datenschutzbereich machen. Gerade im Bereich Künstliche Intelligenz soll dafür noch viel mehr kommen. Mit caralegal können wir bei der Datenstrategie und Data Governance ansetzen, die für Unternehmen immer wichtiger werden. Auch die Verbindung von Legal und Blockchain bietet noch viel Entwicklungspotenzial. Wir haben schon zahlreiche Ideen in der Pipeline, die wir in Zukunft umsetzen wollen.

Darüber hinaus engagiere ich mich seit Kurzem bei der AMES Foundation für den Erhalt bedrohter Tierarten auf dem afrikanischen Kontinent. In Zukunft wird es auch Neuigkeiten bezüglich dieses Herzensprojektes von mir geben. Immerhin wollen wir ja die Caracals schützen. ????

Das klingt sehr spannend, wir können es kaum erwarten. Vielen Dank für diese interessanten Einblicke.

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